Ein Einblick in die Bäderarchitektur





Abbildung: Benoit Oppenheim und Familie vor ihrer Villa in Heringsdorf


Damals wie heute ...

Die Bäderarchitektur ist besonders in deutschen Seebädern der Ostseeküste zu finden. Die prägende Zeit reichte von 1793 bis 1918 und hatte ihren Höhepunkt während der Gründerzeit. Die Geburtsstätte der Bäderarchitektur liegt im 1793 gegründeten Seebad Heiligendamm, dem ältesten Seebad auf dem europäischen Kontinent.


Was zeichnet
die Bäderarchitektur aus?

Dieser Baustil ist keine in sich geschlossene Stilepoche wie beispielsweise die Renaissance oder der Barock. Ihre Besonderheit ist die Zusammenführung ver­schie­dener Baumerkmale in ihren jeweiligen Epochen – vorallem aus dem Klassi­zismus, Historismus und Jugendstil.

Die Gebäude haben gelegentlich bis zu vier Geschosse und sind mit Balkonen, Veranden oder auch mit Risaliten versehen. Typische Merkmale sind kunstvoll geschnitzte Holzschnittarbeiten an Balkonen sowie Dreiecksgiebel, große Rund­bögen mit Halbsäulen oder Pilaster und kleine Türmchen. Auch maritime oder florale Motive mischen sich gelegentlich in die Ausschmückung.

Filigran ausgearbeitet und häufig weiß getüncht reihen sich Villen der Bäder­archi­tektur gerne aneinander. So werden Seebäder auch „weiße Perlen“ genannt wie beispielsweise die Kaiserbäder, vorallem Heringsdorf und Ahlbeck.


Bäderarchitektur
in den Kaiserbädern

Die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin bestechen durch eine große Viel­falt unterschiedlichster Exemplare der Bäderarchitektur.

Als eines der ältesten Gebäude dieses Baustils kann die Villa Achterkerke in Heringsdorf genannt werden, die Georg Bernhard von Bülow 1845 errichten ließ. Ein kunsthistorisch bedeutendes Gebäude, die Villa Oechsler, steht ebenfalls in Heringsdorf. Sie wurde im Jahr 1883 erbaut und zeigt im Giebel zur Seeseite ein Glasmosaik von Antonio Salviati.


Wolgaster Holzhäuser

Eine Besonderheit der Bäderarchitektur sind die sogenannten Wolgasthäuser, die ersten Fertighäuser weltweit. Sie wurden von der Wolgaster Firma „Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung“ gefertigt und sind auch auf Usedom zu finden. Besondere Merkmale sind Elemente des nordischen Stils, von alpen­ländi­schen Blockhütten oder russischen Holzhäusern.


Bäderarchitektur
im Buch "Meine Kaiserbäder"

Für konkrete Informationen über die im Buch „Meine Kaiserbäder“ vorgestellte Bäderarchitektur schauen Sie gerne wieder hier vorbei. Wir werden in Kürze die Besonderheiten der einzelnen Gebäude im Überblick vorstellen.


LITERATUR
QUELLEN UND EMPFEHLUNGEN

Susanne Grötz, Ursula Quecke: Balnea. Architekturgeschichte des Bades. Hrsg.: Ursula Quecke. Jonas Verlag für Kunst und Literatur, Marburg 2006, ISBN 3-89445-363-X. Reno Stutz, Thomas Grundner: Bäderarchitektur in Mecklenburg-Vorpommern. In: Edition Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommern. Hinstorff, Rostock 2004, ISBN 3-356-01033-6. Wolfgang Schneider, Torsten Seegert: Pommersche Bäderarchitektur. Entstehung und Entwicklung. Ostseebad Binz. Heimat-Bild-Verlag, Gifhorn 2003, ISBN 3-9810092-0-7. Wilhelm Hüls, Ulf Böttcher: Bäderarchitektur. Hinstorff Verlag, Rostock 1998, ISBN 3-356-00791-2. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Monumente Publikationen, Bonn 2009, ISBN 978-3-86795-021-3. Christiane Winter: Architektur Highlights auf Norderney. Book Printing Verlag, Goch 2009, ISBN 978-3-940754-47-9. Hans-Ulrich Bauer: Holzhäuser aus Wolgast – Ikonen der Bäderarchitektur I + II. Igel Usedom Verlag, Wolgast 2011, ISBN 978-3-9810371-4-2. Internet-Recherche auf Wikipedia